D.a.d.a.F. hat geschrieben:Cihan hat geschrieben:Wieso denkst du, dass ich das nicht verstehen würde? Glaubst du, dass ich mit begründeter Kritik nicht umgehen kann?
Weil ich nicht mal meine Beispiele anbringen kann ohne in der Diskussion vom hundertsten ins tausendste zu kommen. Meine Aussage bzgl. der Vergewaltigungen ist faktisch richtig. Der Ansatz von Luers, nach den tieferen Ursachen zu forschen ist ja noch in Ordnung, aber beldeigt aufzuschreien und die Rassisten-Keule zu schwingen finde ich ausgesprochen schwach.
Wieso glaubst du, habe ich dich als Rassisten respektive Islam-Hasser bezeichnet?
Cihan hat geschrieben:Du sagst, es entspricht den Vorgaben. Kannst du mir erklären, aus welchen Vorgaben sie abgeleitet wird?
Ich zitiere mal Wikipedia, die stehen ja nicht im Ruf besonders islamkritisch zu sein
Die Gesetze der Schari'a sind für alle Menschen in einer islamischen Gesellschaft verbindlich, auch für Nichtmuslime. [snip] Der Mensch hat das islamische Recht mit seinen Bestimmungen und Widersprüchen kritiklos zu akzeptieren. Das Forschen nach der Bedeutung und inneren Logik der göttlichen Gesetze ist nur zulässig, soweit Gott selbst den Weg dazu weist.
Das ist so eine allgemeine Aussage.
Für mich und meine (Groß-) Familie ist die Sharia nicht verbindlich.
Ich kenne hier auch sonst niemanden, für den sie verbindlich wäre.
Das ist auch so eine Aussage, die alle Moslems in einen Topf stellt.
Wir Türken (wenn ich mal etwas pauschal sein darf) sind auch sehr patriotisch und "Anhänger des Ehrenkodex".
Es gibt nicht wenige, die Alkohol trinken, obwohl das im Koran verboten ist.
Ich kenne bosnische Muslime, die auch Schweinefleisch essen, obwohl das eigtl. auch nicht erlaubt ist.
Die Religion spielt zwar bei diesen Menschen eine Rolle, aber eben nicht nur. Es gibt Traditionen und Kulturen, die seit langer Zeit bestehen und sich mit Religion vermischt haben, aber eigtl. was anderes sind.
Die Bedeutung der Schari'a nimmt seit etwa Mitte der 1970er Jahre in allen islamischen Ländern wieder kontinuierlich zu. Auch in der laizistischen Türkei mehren sich politisch einflussreiche Stimmen, die die Rückkehr zum islamischen Schari'a-Recht fordern. So schrieb etwa die islamistisch-nationalistische Tageszeitung "Milli Gazete" am 16. Oktober 2006:[12]
* „Es ist unlogisch, widersprüchlich und unsinnig, wenn ein Mensch behauptet, er sei zwar Muslim, aber gegen die Scharia. […] Die Scharia ist ein heiliger Begriff. Islam und Scharia sind gleichbedeutend.“
Das ist auch so eine allgemeine Aussage.
Jedes Land hat eine unterschiedliche Entwicklung. In der Türkei sind die reliiösen Kräfte erst Ende der 90er wieder erstarkt und seit der AKP-Regierung wieder salonfähig. Vorher war das lange Zeit eher nicht so, weil da mehr die Nationalisten und Konservativen was zu sagen hatten.
Aber auch jetzt fordert in der Türkei kein politischer Funktionär die Herbeiführung der Sharia. Ganz im Gegenteil, man ist dabei die Rechtsordnung der europ. Union schrittweise anzupassen. Das türkische Rechtssystem basierte ja bisher schon nicht auf islamischen Recht, sondern lehnte sich an europ. Gesetzeswerken an.
Du hast hier Zitate reingestellt, die aus meiner Sicht nur eine Ansicht wiedergeben.
Auf meine eigentliche Frage bist du gar nicht wirklich eingegangen. Du nimmst dir nur bestimmte für dich problematisch erscheinende Aussagen und verallgemeinerst diese.
Ich hatte danach gefragt, woraus die Sharia abgeleitet wird.
Deine Antwort zeigt mir, dass du dich gar nicht wirklich mit der Materie auseinandergesetzt hast.
Die Sharia wird aus einem Wort im Koran abgeleitet: "in Sure 45, Vers 18, wo er ursprünglich den Pfad in der Wüste meint, der zur Wasserquelle führt, woraus sich für Muslime der göttliche Ursprung der Schari'a herleitet"
http://de.wikipedia.org/wiki/Schari%27aAllerdings wurde sie erst in der Folge durch islamische Juristen mittels Hadithen entwickelt. Es gibt also keine vollkommene Sharia, eine Rechtsprechung, die direkt im Koran verankert wäre (nur einzelne Regelungen sind dort vorhanden), so dass man immer aus dem Koran selbst, diese Rechtsprechung anwenden könnte. Es sind die Hadithen(Gutachtensammlungen) der Juristen, die die Sharia entwickelt haben. Diese lehnen sich daran an, wie der wahre Moslem im alltäglichen Leben zu sein habe und soll als eine Art Vorbild fungieren.
Der Prophet Mohammed hat selbst gesagt, dass er nicht zitiert werden wollte. Trotz dessen haben im wahrsten Sinne Hinz und Kunz im Laufe der Zeit dazu beigetragen solch ein Rechtssystem zu entwickeln, die mal mehr mal weniger restriktiv gehandhabt wird und keine einheitliche Praxis in den islamischen Ländern gegeben ist.
Viele gebildete Moslems lehnen diese Art der Bestrafung ebenfalls ab, da sie eher willkürlich und nicht objektiv erfolgt.
Beispiele sind aus dem Iran und Saudi Arabien, in afrikanischen Staaten zu finden. Aber das Volk hat hier nicht die Wahl.
Es gibt sicher Moslems, die bestimmte Strafanordnungen od. bestimmte rechtliche Regelungen für gut finden werden, zB das Zinsverbot bei Geldschulden. Aber auch bestimmte harte Strafen für Verbrecher.
Allerdings habe ich als Moslem eher das Gefühl, dass sie langsam mehr auf Ablehnung stößt, da es selbst mit dem Koran nicht vereinbar ist, wieso die Sharia so unterschiedlich praktiziert wird und manche sich einfach davon ausnehmen können, wie zB der saudische König. Das ist alles letztlich unvereinbar mit dem Koran, weswegen ich persönlich diese ablehne.
Ich bin mir absolut sicher, dass die Mehrheit der Moslems hier mit dem Rechtssystem im Großen und Ganzen einverstanden ein wird.
Nochmals, ich dekne nicht, dass Du sozusagen ein Problemfall bist, aber es gibt eine große Anzahl Muslime die ich als Risiko-/Problemfälle bezeichnen würde. Für diese Menschen hat der Islam eine größere Bedeutung als die westlich-weltliche Gesetzgebung. Diese Menschen sind verführbar.
Es gibt sicher Gegenden auf der Welt, wo Menschen zu Dingen verführt werden können und das wird es wohl immer geben.
Aber nicht jeder Mist, den ein Moslem macht, hat sofort was mit dem Islam zu tun. In islam. Ländern gibt es auch Vergewaltigungen, Mord, Schändungen, Mißhandlungen, alles was du suchen wirst.
Allerdings habe ich die Gewohnneit, wegen solchen Dingen nicht in Panik zu geraten, nur weil jemand irgendeine Dummheit begeht od. nur weil jemand lautstark die Gefahr vor dem Islam predigt.
Der Mob, der bei gelegentlichen Provokationen, immer Fahnen verbrennt und dem Westen immer den Tod wünscht, ist natürlich medienwirksam. Es wird vergessen, dass der Großteil der Moslems nicht hinter diesem Mob steht. Es ist bei den Moslems eben auch nicht üblich Lichterketten zu veranstalten od. Großdemos zu machen. Man ignoriert diese Dinge einfach, was natürlich auch nicht richtig ist. Aber andererseits will man auch, dass sich die Lage wieder beruhigt.
Man mag als gemäßigter Moslem vll. die Provokationen mißachten, aber nicht jeder geht deswegen auf die Straße um Fahnen zu verbrennen.
Das sind Leute, die der Propaganda so mancher Fundamentalisten od. Fanatikers hinterherlaufen und gehört vermutlich auch zu seiner Gruppe.
Aber im gegenteiligen Fall, gibt es hier ebenfalls hasspredigende Politiker, die eigtl. genau dasselbe machen und die Angst, Wut und Unverständnis der Leute in ihren Bann ziehen. Man sieht den Islam plötzlich als etwas sehr gefährliches an, obwohl sich eigtl. nicht viel geändert hat. Nur wird die Assoziierung mit Gewalt und Unterdrückung in die Köpfe der Leute gebracht.
Das gleiche Spiel mit der Angst findet also auch hier statt.
Das Geschäft mit der Angst funktioniert auch hervorragend. Wie man am Beispiel der Schweinegrippe gesehen hat, war die Hysterie überall auf der Welt gleich groß. Die Medien sind sehr mächtig. Man sollte aber seinen gesunden Menschenverstand nicht abschalten und nicht alles den Medien abkaufen, nur weil es dort geschrieben steht.
Ich mache mir in Deutschland eher Sorgen, dass man die Bildung vernachlässigt. Bildung ist sehr sehr wichtig.
Und diese muss ganz im Sinne einer modernen, offenen, aufgeklärten Art erfolgen. Da sollte man mMn Einwände mancher Muslime nicht tolerieren. Mir ist es wichtiger, dass jmd. geistig aufgeklärt einer Religion nachgehen kann, als jmd., der keinen Satz ohne ein Schimpfwort auskommt und an Allah betet.
Der mündige Bürger ist mein Wunschbild, egal welcher Herkunft.
Indem du aber bestimmte Leute aufgrund ihrer Zugehörigkeit stigmatisierst, grenzt du sie dorthin aus. Das ist ein großer Fehler, denn aus diesem Grund wird Integration nie funktionieren können, auch wenn jmd. sich noch so gut anpasst.
Gerade in der Integration spielen diese Dinge eine wichtige Rolle. Ich hatte nie ein Problem mit einheimischen Freunden, aber ich hatte auch keine Sprachprobleme. Trotz dessen erlebte ich auch Probleme, nur aufgrund meiner Herkunft.
Dieses Problem der Ausgrenzung verhindert Integration.
Immer nur darauf abzustellen, dass diese Moslems das und jenes begangen haben, differenziert nicht, was für Menschen dahinter stehen. Was ist mit einem Moslem, der nicht kriminell ist?
Den stellst du zwar dann auch in den selben Topf, aber stufst ihn als mit krimineller Tendenz ein. Du machst ein Vorurteil und damit beginnt Ausgrenzung im Kopf.
Außerdem hast du hier ein sehr vereinfachtes Menschenbild: Moslems und Nicht-Moslems (Christen, Atheisten, Juden usw.).
Innerhalb jeder dieser Gruppen sind die Menschen nicht allesamt gleich. Ich kann auch nicht sagen, dass alle Deutschen Nazis sind, nur weil einer lautstark vor dem Rathaus herumbrüllt, oder?
Die Fanatiker auf der anderen Seite haben ebenfalls ein sehr vereinfachtes Menschenbild. Sie stufen wohl alles was aus dem Westen kommt, als satanisch od. teuflisch ein. Dahinter steckt eben eine menschlich ur-instinktive Furcht und Angst, die Kontrolle an das Böse zu verlieren.
Deswegen fragte ich dich, ob du Angst hast. Ich glaube dennoch, dass du Angst hast, dir aber dessen nicht bewusst bist.
Cihan hat geschrieben:Welche Muslime fordern denn lautstark die Sharia-Gesetzgebung?
In GB wurden bereits Sharia-Courts eingerichtet und in D gab es auch schon Forderungen die Scharia stärker zu berücksichtigen.
Ich habe auch gehört, dass Kanada ebenfalls auf diese Dinge Rücksicht nimmt.
Nun, es gibt in der Rechtswissenschaft die Überlegung, dass Menschen, die aus anderen Rechtskulturen kommen, womöglich auch bestimmte Rechte nach ihren ursprünglichen Rechten haben dürfen wollen.
Bspw kann eine erbrechtliche Regelung im ursprünglichen Kulturkreis ganz anders sein, wie im neuen Staat.
Moderne Rechtsordnungen nehmen auch normalerweise auf Umstände Bezug, wenn Sachverhalte mit Auslandsberührung vorliegen. Das bedeutet, dass in einem Fall von einem inländischen Gericht ausländisches Recht in Anwendung kommen kann, weil ein Fall mit Auslandsberührung vorliegt. Dann muss das inländische Gericht ausländisches Recht anwenden.
Das ist eine ganz gängige unproblematische Praxis in den eruop. Rechtsordnungen.
Was du allerdings mit der Sharia-Gesetzgebung problematisierst, ist wohl, dass du befürchtest, dass es zu einer unüberschaubaren Rechtspraxis kommen könnte.
Aber auch hier hat die europ. Rechtsordnung für diesen Fall vorgesorgt. Es gilt das Prinzip des ordre public. Wenn also in einem Fall ausländisches Recht anszuwenden wäre, und aber dieses mit den Grundwerten der inländischen Rechtsordnung im Widerspruch steht, dann gilt das ausländische Recht nicht.
Aber wenn ganz normale Dinge vereinbart würden, wie bspw dass man keine Zinsenvereinbarung haben möchte, weil das als unislamisch empfunden wird, versteh ich die Aufregung ehrlich gesagt nicht, denn daran ist nichts verwerflich.
Gerade dort, wo privatrechtliche Regelungen durch sharia Regelungen ersetzt werden und dabei die Grundrechte gewahrt werden, ist es nicht problematisch, denn man kann auch so schon im Rahmen des Privatrechts dispositive Regelungen durch Parteienvereinbarung übergehen.
Cihan hat geschrieben:Was haben eigentlich die Kurden mit islamischer Gesetzgebung zu tun und wieso erwähnst du das in diesem Zusammenhang?
Ich hätte auch libanesische Clans im großraum Bremen nehmen können. Da wäre die Rückfrage sind das nicht Christen gewesen. ;-)
Nein, ich habe nur nicht verstanden, worauf du damit hinaus wolltest, denn Kurden haben ja an sich keine Gesetzgebung. Du meinst wohl eher kulturelle Bräuche und Sitten.