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Der Vollzug der Todesstrafe in Deutschland im 19. Jahrhundert
Doktorarbeiten gibt es in Deutschland wohl zu jedem nur erdenklichen Thema, und so findet sich auch eine Abhandlung zu der Frage: “Wie wird im Deutschen Reich die Enthauptung vollstreckt?” Geschrieben wurde sie von dem Juristen Max Ramlau, dem dafür im Jahre 1900 von der Universität Rostock der Doktortitel verliehen wurde.

Mann könnte davon ausgehen, dass die im Titel gestellte Frage mit einem einzigen Satz beantwortet werden könnte. Doch Deutschland war von alters her ein staatlicher Flickenteppich, von dem im 19. Jahrhundert immerhin noch rund 40 Staaten übrig geblieben waren, die erst 1871 ein gemeinsames Staatsoberhaupt akzeptieren mussten, nämlich den preußischen König als deutschen Kaiser.

1871 wurde erst mal ein gemeinsames Strafgesetzbuch eingeführt, in dem festgelegt wurde, dass die Todesstrafe in Deutschland einheitlich durch Enthauptung zu vollstrecken sei. Doch das Werkzeug der Enthauptung wurde nicht festgelegt. Und aus diesem Grunde behielt jeder Bundesstaat, vom Königreich Preußen bis hin zu den kleinsten Fürstentümern, sein eigenes Hinrichtungswerkzeug bei.

In älteren Zeiten wurde die Enthauptung in Deutschland mit dem Schwert vollzogen. Der Delinquent saß dabei aufrecht gefesselt auf einem Stuhl, und der Scharfrichter führte waagerecht den Schwerthieb, um den Kopf vom Rumpf zu trennen. Dies war eine sehr unsichere Methode, es kam immer wieder zu Fehlhieben. Um diese den Vollzugsbehörden peinliche Szenen zu vermeiden, führten die deutschen Staaten im Laufe des 19. Jahrhunderts andere Hinrichtungswerkzeuge ein: Handbeil und Guillotine.

Eine Verfügung des preußischen Königs aus dem Jahre 1811 bestimmte, dass überall dort in den preußischen Ländern, wo das Schwert zur Enthauptung verwendet wurde, nunmehr das Handbeil benutzt werden sollte. Dabei legte der Delinquent den Kopf auf einen Richtblock, und der Scharfrichter führte einen senkrechten Hieb mit seinem Beil aus. Die Zielgenauigkeit und Treffsicherheit war hierbei größer als bei Hinrichtungen durch das Schwert. Diese Bestimmung galt für alle rechtsrheinischen Gebiete, also die Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Ost- und Westpreußen, Sachsen, Schlesien und Westfalen, zu denen später noch Schleswig-Holstein und Hessen-Nassau kamen. In der Rheinprovinz dagegen hatte die französische Besatzungsmacht schon 1798 die Guillotine eingeführt, und als das Rheinland 1813 wieder von den preußischen Behörden übernommen wurde, behielten sie die Guillotine bei. Auch das Königreich Bayern wandte in der linksrheinischen Rheinpfalz die Guillotine an, in den rechtsrheinischen Gebieten dagegen das Schwert. Ähnliches galt für das Großherzogtum Hessen. Im linksrheinischen Mainz wurde die Guillotine verwendet, in den rechtsrheinischen Provinzen Starkenburg und Oberhessen das Schwert. Das Großherzogtum Hessen war dann 1841 der erste Staat des Deutschen Bundes, der die Guillotine für alle seine Gebiete einführte. In den nächsten 25 Jahren sollten noch viele andere folgen, zumeist aus dem Grund, dass eine Hinrichtung mit dem Schwert auf spektakuläre Weise misslungen war, sodass die Behörden nun doch die Notwendigkeit sahen, auf ein anderes, sicheres Hinrichtungsmittel zurückzugreifen. Allerdings standen viele der Guillotine sehr skeptisch gegenüber, sie hatte auf Grund der Massenhinrichtungen während der französischen Revolution keinen guten Ruf in Deutschland, auch fürchteten die Behörden die hohen Kosten für den Bau und Unterhalt einer Guillotine. Daher verließen sich viele der kleineren Staaten lieber auf das Handbeil.

Einheitlich geregelt war auch die Bestimmung, dass eine Hinrichtung innerhalb von Gefängnismauern bei stark beschränkter Öffentlichkeit stattfinden musste. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es allgemein üblich gewesen, die zum Tode Verurteilten in der Öffentlichkeit, für jedermann sichtbar, hinzurichten. In manchen Regionen geschah dies auf einem größeren Platz innerhalb der Stadt, bei den meisten jedoch auf einer besonderen Hinrichtungsstätte, die unter Umständen ein bis zwei Kilometer außerhalb der Stadtmauern lag. Dort wurden die zum Tode Verurteilten übrigens auch zu Beginn des 19. Jahrhundert nicht nur enthauptet, sondern auch, je nach Todesurteil, gerädert (zuletzt in Preußen 1841), mit eisernen Keulen erschlagen (zuletzt im Kgr. Hannover 1828) oder gehängt (zuletzt in Weimar 1833); von den im Königreich Preußen in den Jahren 1818-41 hingerichteten 147 Männern und 22 Frauen wurden 11 Männer und eine Frau durch die Guillotine, weitere 67 Männer und 4 Frauen durch das Handbeil und schließlich die Mehrheit, nämlich 69 Männer und 17 Frauen, durch das Rad hingerichtet, wobei sie vorher unauffällig erdrosselt wurden. Sowohl gegen diese grausame Strafe als auch gegen die Öffentlichkeit der Hinrichtungen selbst richtete sich das Schicklichkeitsgefühl der bürgerlichen Mittelschicht, die im Laufe der 25 Jahre zwischen 1840 und 1864 erfolgreich für die Nichtöffentlichkeit der Hinrichtungen eintrat. Die letzten beiden öffentlichen Hinrichtungen fanden im Oktober 1864 in Marburg und Greiz statt.

Verschiedene Staaten hatten die Todesstrafe nach der Revolution 1848 vorübergehend abgeschafft, und führten sie zum Teil später wieder selbst ein, jedoch beließen es einige bei der Abschaffung bis zur Reichsgründung 1871. Auf Grund der Vereinheitlichung des Strafrechts wurde die Todesstrafe dann wieder für alle deutschen Bundesstaaten gesetzlich.

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