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China: Hinrichtung auf Bestellung?
Am vergangenen Samstag (30. September 2006) strahlte das ZDF Bilder eines Beitrags aus, die der in Peking stationierte BBC-Korrespondent Rupert Wingfield-Hayes mit versteckter Kamera im Zentralhospital Nr. 1 in Tinanjin aufgenommen hatte. Gefilmt hatte Wingfield-Hayes ein Gespräch, das er mit dem Chefchirurgen des Krankenhauses – eigenen Angaben zufolge Asiens größter Transplantationsklinik – und dem für Auslandsgeschäfte zuständigen Leiter führte, und das einen von vielen seit langem gehegten Verdacht zu bestätigen scheint. Im Land der Mitte, in dem mehr Todesurteile vollstreckt werden, als in allen anderen Ländern der Welt zusammen, verkaufen Krankenhäuser die Organe von Hingerichteten an zahlungskräftige Ausländer.



Für den Beitrag, den die BBC kurz vor dem chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober ausstrahlte, hatte sich Wingfield-Hayes als Sohn eines Leberkranken ausgegeben, der auf der Suche nach einem passenden Organ sei. „Ja“, die Organe stammten von Hingerichteten, bestätigt Chefchirurg Deng vor der versteckten Kamera und fügt hinzu, dass vor dem Nationalfeiertag in China jedes Mal besonders viele Hinrichtungen stattfänden. „Wir werden eine Menge Organe vorrätig haben“, erläutert Liu Wenzhi, mit dem Wingfield-Hayes die finanziellen Verhandlungen führte. Als er zusagt die geforderten rund 75 000 Euro (50 000 britische Pfund) auf ein Konto in Hongkong einzuzahlen, versprachen ihm Deng und Liu Wenzhi eine Wartezeit von nur drei Wochen für eine passende Leber.



Die Zensurbehörde in Peking, die in jede Fernsehübertragung eingreifen kann, unterbrach den ausgestrahlten Beitrag und blendete in der Folge auch alle Wiederholungen des BBC-Beitrags aus. Wenig später nahm dann der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Qin Gang, zu dem Thema Stellung. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP räumte Gang ein, dass hingerichteten Menschen Organe entnommen werden könnten, allerdings würde mit ihrem Gebrauch „sehr vorsichtig“ umgegangen. „Der Handel mit Organen ist verboten“, zitiert die Agentur den Sprecher. Eine Organspende setze das schriftliche Einverständnis des Spenders voraus und benötige Genehmigungen der örtlichen Gesundheitsbehörde und des örtlichen Gerichts. Sofern solche Operationen stattfänden, geschehe dies jeweils in strikter Übereinstimmung mit dem Gesetz.



Seit Mitte des Jahres gibt es in China erstmals eine Verordnung zum Umgang mit Organen, die einen Missbrauch verhindern sollen. Kritiker stuften die darin getroffenen Bestimmungen jedoch als völlig unzureichend ein. In China, wo nach Angaben von „Amnesty International“ fast 80 Prozent aller weltweiten Todesurteile vollstreckt werden, kann eine Person für mehr als 68 Verbrechen zum Tode verurteilt werden. Auch auf gewaltlose Delikte wie Steuerbetrug, Veruntreuung und Drogenvergehen steht die Todesstrafe. Die genaue Zahl der Hinrichtung hütet die chinesische Regierung seit Jahrzehnten wie ein Staatsgeheimnis. Für das Jahr 2005 ermittelte Amnesty International 1 770 Hinrichtung. Auf ihrer Webseite verweist die Menschenrechtsorganisation jedoch auf einen chinesischer Rechtsexperten, der die tatsächliche Zahl der hingerichteten Menschen in China auf rund 8 000 pro Jahr schätzt.



Bereits im Juli hatten der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas gemeinsam mit dem ehemaligen kanadischen Parlamentarier David Kilgour einen Aufsehen erregenden Bericht vorgelegt, der einen Zusammenhang zwischen Organhandel und Hinrichtungen nahe legt. Danach würden in China immer wieder Gefangene getötet, um ihnen die Organe zu entnehmen. In vielen Fällen soll es sich bei den Opfern um Angehörige der Falun-Gong-Bewegung handeln, die in der Volksrepublik China verfolgt wird.



Der 60-seitige Bericht enthält unter anderem die Aufzeichnungen von Telefonaten zwischen Haftanstalten und Transplantationskliniken, in denen Behördenvertreter die schnelle Lieferung von Organen versprachen sowie ein Interview mit der Frau eines Chirurgen, der binnen zwei Jahren bei rund 2 000 Falun-Gong praktizierenden Inhaftierten die Hornhäute der Augen entfernte. Den Häftlingen soll zuvor eine Injektion verabreicht worden sein, die ein Herzversagen auslöste.



Anfangs seien den noch lebenden Opfern von mehreren Ärzten in verschiedenen Räumen nacheinander die Organe entnommen worden. „Nachdem die Ärzte mehrere Organentnahmen durchgeführt hatten, wurden sie mutiger und begannen, die Organentnahme gemeinsam durchzuführen. Einer der Ärzte entnahm die Augenhornhaut, ein anderer die Niere, ein dritter Arzt operierte die Leber heraus. (...) Wenn die Haut des Opfers nicht entfernt worden war, sondern nur die inneren Organe, wurde der Körper wieder geschlossen und ein Beauftragter unterschrieb die Papiere“, heißt es etwa in dem Bericht.



Nun will sich der UNO-Menschrechtsrat in Genf mit den Vorwürfen befassen. Laut Matas erklärte sich der UNO-Sonderbotschafter für Folter, der Österreicher Manfred Nowak, bereit, die Vorwürfe zu untersuchen.



China steht seit längerem in dem Verdacht, eine Drehscheibe des internationalen Organshandels zu sein. Da sowohl nach dem konfuzianischen als auch nach dem buddhistischen Glauben die Leichen der Verstorbenen unangetastet bleiben müssen, übersteigt die Nachfrage nach Organen das Angebot im Fernen Osten bei weitem. Damit entsteht eine lukrative Ausgangslage für jene, die neben dem Organhandel auch vor dem Organraub nicht zurückschrecken.



„Hingerichtete Gefangene dienen als eine der Hauptquellen für Organe“, zitiert die „Deutsche Welle“, den Transplantationsmediziner Cheng Zhonghua, Vorsitzender des Transplantationsinstituts der Uniklinik Tonji. Der Bericht von Matas und Kilgour führt zudem Internetseiten chinesischer Kliniken an, auf denen es unter anderem heißt: „weiche innere Organe (...) wie das Gehirn, Lungen, Herz, etc. können umgehend gefunden werden.“



Die Webseite des Internationalen Chinesischen Transplantations-Betreuungszentrums offerierte etwa: „In nur einer Woche finden wir einen passenden (Nieren-) Spender, es dauert höchstens einen Monat.“ Weiter heißt es: „Wenn etwas Unvorhergesehenes mit dem Organ eines Spenders passiert, hat der Patient die Möglichkeit, dass ihm ein anderer Organspender angeboten wird.“ Die Operation könne „dann in einer Woche erneut stattfinden“. Auf der Webseite des Transplantationszentrums des Ostens hieß es Anfang April 2006, „die durchschnittliche Wartezeit (für eine passende Leber) beträgt zwei Wochen.“ Und die Webseite des Changzheng Hospitals in Shanghai prahlte gar: „Die durchschnittliche Wartezeit für die Bereitstellung einer Leber beträgt für alle Patienten eine Woche.“



Zur Orientierung: In Deutschland liegt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Niere bei fünf Jahren. Da zudem die Überlebenszeit einer Niere bei 24 bis 48 Stunden und die einer Leber bei ca. 12 Stunden liegt, müsse es, folgern Matas und Kilgour, für die chinesischen Transplantationszentren „eine riesige Organbank von lebenden Nieren-/Leber-,Spendern‘ geben, da sie andernfalls ihren Kunden nicht solch kurze Wartezeiten zusichern könnten“. Die erstaunlich kurzen Wartezeiten, mit denen für perfekt passende Organe geworben wird, ließe die Existenz sowohl eines computergesteuerten Abgleichsystems vermuten, das die passenden Organe für Transplantationen findet, als auch eine große Bank von potentiellen „Spendern“.



Da wundert es kaum, dass sich der im Grunde ungeheuerliche Verdacht, Hinrichtungen und Organtransplantationen könnten im Reich der Mitte gar synchronisiert werden, ganz wie von selbst aufdrängt. Ob er sich aus der Welt schaffen lässt, kann nur eine gewissenhafte Prüfung zeigen. Dass die chinesische Regierung sich dabei als hilfreich erweisen wird, braucht nach den bisherigen Erfahrungen, welche die Welt mit der Kommunistischen Partei Chinas machen konnte, trotz der Fernsehberichte niemand zu erwarten.



von Stefan Rehder, Die Tagespost - Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur

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