Thursday, 30. March 2017
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Zitat des Tages:
Ich lehne die Todesstrafe ab, grundsätzlich und bei jedermann.
Gerhard Schröder
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Grüße an die Welt von Anthony Bartee
Mein Name ist Anthony Bartee, ich bin ein 49 jähriger Schwarz Amerikaner/Indianer im Todestrakt der USA im Staate Texas. Ich bin im Todestrakt seit dem 3. September ´98. Ich kann schon „sehen“, wie einige von Ihnen, die dies lesen, zurückschrecken oder gähnen, denken dies wird dahin gehen, wie ich die Anklagen des Staates, was meine Schuld angeht, ablehne. Oder das ich ein Tier bin, das eingesperrt und getötet gehört.
Seien sie versichert, dass sich dieser Report nicht um meine Schuld oder Unschuld dreht.


Was dies ist, ist ein Blick ins Innere, von einem Menschen der im Käfig existiert und nach Außen in die Welt schaut. Vielleicht werden manche von Ihnen, die dies lesen, jetzt sagen oder denken: „Gut...egal wie wir behandelt werden, wir verdienen es“, oder andere sind wirklich daran interessiert, wie Todestraktinsassen behandelt werden.


Beide Meinungen sind okay, denn die Freiheit des Geistes ist immer noch die universelle Freiheit! Noch mal, ich versuche nicht Ihre Meinung oder Denkweise zu ändern. Eine Veränderung, zum Besseren oder Schlechteren, (und ich weiß, das war eine relative Aussage) ist eine Wahl die Sie treffen können oder auch nicht.


Haben Sie jemals darüber nachgedacht, was die Tiere im Zoo über ihre Zoowärter „denken“, über ihre Behandlung oder die Käfige in denen sie leben? Vielleicht ist es einige von Ihnen egal, während anderen nicht. Berücksichtigen Sie dies als „einen Blick“ aus der Perspektive „der Tiere“ im Inneren des Käfigs, die nach Außen schauen.


Im Gegensatz zu den Tieren, bin ich ein Mensch, und bin somit im Stande meine Gedanken in „Worte“ zu fassen. Vielleicht lesen sie weiter und mein Anliegen wird nicht nur ein weiteres Schreien eines Tieres aus einem Zoo sein.


Es ist ihre Entscheidung. Einige werden sagen: „Es ist von einem aus dem Gefängnis, also wird er „total“ voreingenommen sein.“ Ich möchte mich Ihnen öffnen und ihnen einen Einblick in mein Leben geben.


Zuerst möchte ich Ihnen ein wenig von mir erzählen. Nicht um sie einzuwickeln oder Sympathien zu heischen, sondern einfach, damit sie mich etwas verstehen! Ich wuchs in einer großen, liebevollen Familie mit 3 Brüdern und 3 Schwestern auf. Ich bin der 3.
Älteste. Mein Vater verbrachte 25 Jahre in der US Air Force. Dadurch waren wir auf der ganzen Welt zuhause. Hauptsächlich wuchs ich in Europa (Deutschland) auf. Auch während meiner eigenen Zeit in der US Army war ich dort stationiert.



Wir lebten nie im Reichtum, aber wir konnten alle aus erster Hand lernen, und so ahen wir wie andere Kulturen leben. Eine perfekte Erziehung, im aller besten Sinne.



Ich selbst, habe keine Kinder, dennoch liebe ich Kinder und weiß, dass sie die Zukunft der Welt sind. In Anbetracht dessen, wo mein Leben geendet ist: In einer Zelle! Ich muß sagen, dass bin ich dankbar bin, dass ich keine Kinder habe, denn das wäre eine schwere Bürde für diese!



Aber anderes gesehen, vielleicht hätten mich Kinder abgehalten ein Mensch zu werden, der in einem Käfig landet. Aber ich will nun erzählen wie es dazu kam, das ich hier gelandet bin, wo ich nun bin:



Ich wurde des Mordes an einem 43 Jahre alten Mannes angeklagt.
Ich möchte aber nochmals betonen, ich tue dies nicht um über Schuld oder Unschuld zu debattieren. Ich teile lediglich einen kleinen Teil meiner Vergangenheit mit Ihnen, damit sie mich besser verstehen!



Das ist nur ein sehr kleiner Auszug aus meinem Leben, aber ich schreibe es um Ihnen zu helfen „den Blick ins Innere“ des Todestrakts von Texas und die Käfige zu verstehen.



Falls sie nun auf den Gedanken kommen, mir zu schreiben, würde ich mich freuen.
Meine Kontaktinformation steht am Ende dieses ersten Beitrages. Für alle anderen, kann ich nur sagen, ich werde in den nächsten Monaten noch eine Vielzahl von Berichten aus dem Käfig schreiben. Einen monatlichen „Blick“ in den Todestrakt, von Texas!



In den Zellen des texanischen Todestraktes leben zurzeit 420 Menschen. Er befindet sich in Polunsky Unit , Livingston, Texas. Das Areal befindet sich 70 Meilen Nordöstlich von Houston. Die Unit hält 2700 Häftlinge, 420 davon sind im Todestrakt der Anstalt untergebracht, in einem separaten Gebäude.



Es gibt 12 Gebäude auf der Unit. Manche sind Verwaltungsgebäude, andere Zellenblöcke. Es gibt verschiedene Klassifikationen von Häftlingen. Die meisten sind der G.P., General Population“ zuzuordnen. Diese Häftlinge leben in 2-Mann-Zellen.
Sie haben „die Privilegien“ die dazu gehören als G.P. Klassifiziert zu werden.
Mindestens 14 Stunden pro Tag außerhalb der Zelle, Schule, Jobs, TV, freier Zutritt zum Hof...etc.



Das Hauptprivileg ist, dass sie nicht mit Handschellen gefesselt sind, wenn sie außerhalb ihrer Zellen sind.



Todestraktinsassen dagegen, sind immer gefesselt, wann auch immer sie außerhalb ihrer Zellen sind. Wir dürfen 2 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche in den Hof, und dies in 1-Mann-Bereiche, was bedeutet, das wir keinen Kontakt zu anderen Häftlingen haben.


Im Todestrakt gibt es keine Privilegien, wie Schule,Arbeit, TV nicht einmal der Gang zur Kirche ist erlaubt. Die einzigen Privilegien für uns sind die Besuche der Außenwelt, einmal alle 2 Wochen, Besuche (einmal pro Woche für 2
Stunden oder ein Special Visit pro Monat für 8 Stunden), Radio und die Korrespondenz.



Hofgang ist nicht als Privileg zu sehen, es ist ein Recht das wir haben, ein kleines aber ein recht! Wir haben die Erlaubnis für eine Dusche pro Tag , für 15 Minuten. Aber auch hierbei sind wir gefesselt.



Wir bekommen 3 Mahlzeiten am Tag, servieren durch eine Öffnung die in die Tür der Zelle eingelassen ist. Dieselbe Öffnung wird dazu benutzt unsere Hände zu fesseln.
Das Essen ist nicht immer das Beste, aber, ich denke an all die hungernden Kinder, Frauen und Männer in der Welt. Also beschwer ich mich nicht, sondern bin dankbar etwas zu haben.



Medizinische Versorgung ist vorgeschrieben, aber.....ich habe Häftlinge sterben sehen wegen Mangel an nötiger Versorgung. Und sie benutzen ein System, das mehr abschreckt als das es hilft. Einmal pro Tag kommt eine Schwester um „Kranke
und Schwache“ abzuholen, aber es kann noch bis zu 10 Tage dauern bis man einen Termin beim Arzt bekommt.



Ich weiß dass es Menschen auf der Welt gibt, die keine medizinische Versorgung bekommen. Aber wir leben in den USA und da sollte es möglich sein einen Arzt zu bekommen, wenn man einen braucht.



Der Todestrakt ist im Gebäude Nr. 12. Es wurde gebaut um 512 Häftlinge in Zellen unter zu bringen. Es gibt 6 Flure in 12 Gebäuden. Auf jedem Flur gibt es 6 Sektionen, von A-F (Die Flure sind auch von A-F gekennzeichnet). In jeder
Sektion sind 14 Zellen. 7 unten und 7 auf dem oberen Level.



Die Zellen sind nummeriert von 1-82.

Sektion A: 1-14

Sektion B: 15-28

Sektion C: 29- 42

Sektion D: 43-56

Sektion E: 57-70

Sektion F: 71-82



Die Zellen sind alles 1-Mann-Zellen.

Die Zellen sind 3,10m x 2,45m groß, bestehen aus einer Stahlbank, einer Stahl-Toiletten-Kombination, einem Stahltisch, eine Lampe die wir selbst an und
ausschalten können, aber die Wärter können das auch kontrollieren, und ein 10,20 cm breit und 61 cm langes Fenster. Man muss seine 5cm dicke Matratze aufrollen und sich auf sie und die Stahlbank stellen, um nach draußen sehen zu können. Selbst ich (1,83m) muss das tun um nach draußen sehen zu können.



Unsere Zellentür ist ein solides Stück Stahl, das zur Seite gleitet wenn sie elektronisch geöffnet wird, was bedeutet, das ein Wärter vor der Tür einen Knopf drückt, während gleichzeitig der Wärter im Kontrollraum (ein Raum in der Mitte jeder Sektion, jedem Flur, wo das Öffnen der Türen, Telefonkontakte, Licht und Strom jeder Zelle kontrolliert wird) einen Knopf drückt.

Die Tür hat zwei Öffnungen überzogen mit Stahlmaschen, die dieselbe Größe wie die im Fenster haben, aber das Fenster ist vertikal und die Tür horizontal. Ein „Bean Slot“ (Essen und Handschellen) befindet sich 75cm über dem Boden, so dass man seine Knie beugen muss um seine Mahlzeiten zu nehmen oder Handschellen angelegt zu bekommen. Handschellen werden nur dann angelegt, wenn man die Hände auf dem Rücken verschränkt, also müssen Sie nicht nur die Knie beugen sondern auch noch wieder zur Höhe der Öffnung um gefesselt zu werden. Es wird von allen verlangt, ohne Rücksicht auf Alter oder Gesundheit.



Seit die Fenster nicht mehr geöffnet werden können, haben wir ein Lüftungssystem mit einem Gebläse in der Wand. Die Wärter regulieren den Luftzug. Wir können mit anderen Häftlingen aus unserer Sektion reden, aber es gibt keinen Körperkontakt. Den
einzigen Körperkontakt den wir haben, ist wenn ein Wärter uns Handschellen anlegt und
jemand vom medizinischen Personal uns untersucht, auch während der Untersuchung bleiben wir gefesselt.



Die einzigen 4 Plätze wo man ohne Handschellen ist, sind:

innerhalb der Zelle,

in den Bereichen des Hofes,

bei Besuchen

und unter der Dusche,



aber auf dem Weg zu diesen Plätzen und wieder zurück.



Ein typischer Tagesablauf im Todestrakt:



2.30Uhr – 3.30 Uhr: Frühstück. (Wärter schreien so laut das alle wach werden!
„Get ready for breakfast“, machen sie das Licht an, wenn sie ein Tablett wollen.“
Ich verstehe, dass sie das für diejenigen tun die essen wollen. Aber warum die aufwecken die nicht wollen?)



3.30– 4.00 : Tablett Rückgabe. Die Wärter gehen rum und sammeln die Tabletts wieder ein die sie ausgehändigt hatten. Jetzt kommen sie zu jeder Zelle, schlagen einen 60cm Stahlriegel, den sie auch zum Öffnen der Öffnungen benutzen, um an die Tabletts zu kommen, und dass auch wenn man vorher keins genommen hat. Wecken somit schon wieder alle, auf die, die nichts gegessen haben.



5.00– 5.30 : Postsammlung. Die Wärter kommen vorbei um die ausgehende Post einzusammeln.



6.00: Schichtwechsel und erste Zählung und um zu sehen wer nach draußen will. Jedes Mal, wenn Sie etwas ablehnen, Hofgang, Tabletts, Dusche, etc. Müssen sie sagen “V.R.“, was „Verbal Refusal (Verbale Ablehnung)“ bedeutet.



6.30– 18.00 : Hofgang, Duschen, Medizinische Termine, Besuche auch, aber Besuchszeit ist von 8 Uhr bis 17 Uhr. Nochmals 2 Zählungen werden durchgeführt.



10 Uhr – 11 Uhr : Mittagessen



15.30 Uhr– 16 Uhr Abendessen



18 Uhr : Zweiter Schichtwechsel. Sie führen die Dinge zu Ende, die die erste Schicht nicht geschafft hat, was Hofgang und Duschen angeht. Die Post und Wäsche wird ausgeteilt, verschiedene Zellen werden durchsucht. So dass sie zur Frühstückszeit fertig sind.



Dies sind nur Grundlagen. Ich werde mehr ins Detail gehen um Ihnen einen besseren Einblick zu verschaffen. Über die kleinen Dinge die sich ereignen. Zum Beispiel Wärter/Häftlinge Interaktionen, Bestrafungen, Belohnungen, Dinge die nur Erfahrungen sind vom Inneren des Käfigs. Dinge von denen die Medien nicht berichten. Meine Berichte werden sicher auch länger werden.



Dies soll ein erster Einblick in den Todestrakt von Texas sein. Ich hoffe dass sie jetzt wissen, das Leben hier zuhause ist. Das es Menschen gibt die in den Zellen leben. Das es Menschen gibt die es verdienen wie Menschen behandelt zu werden.



Es sind Menschen im Käfig“.



Es gibt immer zwei Seiten in einem Zoo.



Falls sie mit mir direkt kommunizieren wollen (und ich werde jedem der schreibt antworten),
kontaktieren sie mich unter:



Anthony Bartee #999282

3872 FM 350 South

Polunsky Unit

Livingston, TX, 77351

USA



Bis zum nächsten Mal...............Gleicher Platz, gleiche Stelle, aus dem Inneren des Käfigs.



Ihr Anthony


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