Friday, 20. October 2017
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Zitat des Tages:
Well, gentlemen, you are about to see a baked Apple!
George Apple (kurz vor seiner Hinrichtung auf dem Elektrischen Stuhl, 1928)
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Die Gaskammer
Am 8. Februar 1924 wurde der gebürtige Chinese Gee John als erster Mensch der Welt in der Gaskammer von Carson City in Nevada hingerichtet. Ihm folgte am 21. Mai 1926 Stanko Jukich. Am 2. Juli 1930 mußte Robert H. White auf dem Stuhl der Gaskammer Platz nehmen. Letztere war die erste Hinrichtung, die protokolliert wurde. Auf die Frage des Gefängnisdirektors nach seinem letzten Wunsch antwortete White: „Bitte geben Sie mir eine Gasmaske, etwas anderes kann ich unter diesen Umständen nicht brauchen."

Die Hinrichtung begann um 4.36 Uhr morgens, das Gas wurde um 4.37 Uhr und 30 Sekunden in die Gaskammer gegeben. Robert H. White atmete um 4.38 Uhr das Gas tief ein und wurde daraufhin sofort bewusstlos. Bei dieser Hinrichtung waren 53 Zuschauer anwesend.

Unter den Zeugen war auch ein Besucher aus Kalifornien, der Direktor des Staatsgefängnisses von San Quentin, James B. Holohan. Wieder in Kalifornien erzählte er Clinton T. Duffy, seinem damaligen Stellvertreter, seine Eindrücke von der Exekution. „Der Delinquent atmet einmal tief ein und verliert daraufhin sofort das Bewusstsein. Nach der Hinrichtung erspart man sich die schrecklichen Verunreinigungen von Blut, Kot und Urin. Es ist die sauberste und schnellste Hinrichtung, die ich je gesehen habe."

NUN AUCH KALIFORNIEN

In den darauf folgenden Jahren versuchte Holohan die Regierung von Kalifornien zu überzeugen, die Gaskammer auch dort einzuführen. Als er in Pension ging, wurde er in das Parlament von Kalifornien gewählt. Unter seiner Federführung trat dann am 27. August 1937 ein neues Gesetz in Kraft, das von da ab als einzige gesetzliche Hinrichtungsform den Tod durch Gas vorsah. Schon ein Jahr später wurde in San Quentin die Gaskammer eingebaut. Der wegen Einbruchs verurteilte Alfred Wells wurde ausgewählt, am äußerst komplizierten Einbau mitzuarbeiten. Als Ende des Jahres die Gaskammer funktionsfertig war, verdankte man dies vor allem Alfred Wells, der alle Präzisionsarbeiten ausführte. Vier Jahre nach der ersten Hinrichtung in der Gaskammer von San Quentin musste Wells jedoch selbst auf dem Stuhl in der Gaskammer Platz nehmen. Er hatte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahre 1941 seinen Bruder, seine Schwägerin und eine Freundin der beiden erschossen.

Von 1938 bis 1967 starben 196 verurteile Gefangene im so genannten "Aquarium" von San Quentin.

Die Gaskammer besteht aus einer achteckigen stählernen Kammer. Der Durchmesser beträgt 2,70 Meter. Im Inneren der Kammer befinden sich 2 stählerne Stühle, unter welchen der Mechanismus für die Hinrichtung installiert ist. Bei Beginn der Exekution steigt das Gas unter dem Sitz durch die zahlreichen Löcher im Stuhl nach oben. Der obere Teil der Gaskammer besteht aus Panzerglas, durch welches die Zeugen der Hinrichtung beiwohnen können. Wegen dieser Scheiben entstand im Gefängnis der Name „Aquarium", genauso wie der Ausspruch „Bitte tief durchatmen."

Der Delinquent wurde einer tödlichen Menge Blausäure ausgesetzt. Beim Betätigen des Mechanismus durch den Henker fielen Zyankalikapseln in einen Behälter mit Schwefelsäure. Bei der dann folgenden chemischen Reaktion dieser beiden Stoffe entstand Blausäure, die in einem Zeitraum von 20 Sekunden bis hin zu mehreren Minuten tödlich wirkte. Das Gas gelangte über Mund und Nase sowie über die Haut in den Körper, worauf im Körper lebenswichtige Stoffwechselprozesse unterbrochen wurden. Das Opfer begann zu husten und rang nach Luft. Es traten sofort Schwindel, Übelkeit, Atemnot und schwere Muskelkrämpfe auf. Der Delinquent erstickte innerlich. Vor der Hinrichtung bekam der Todeskandidat noch einen guten Ratschlag mit auf seinen letzten Weg: „ Atmen Sie so tief wie möglich ein."

Nach der Vollstreckung blieb der Hingerichtete noch ca. eine halbe Stunde in der Gaskammer, bevor das Gas abgesaugt und frische Luft in den Raum hinein geblasen wurde. Die restlichen Chemikalien wurden mit Wasser verdünnt und in die Kanalisation gepumpt. Daraufhin wurde die Kammer geöffnet. Der Raum und der Körper mussten mit Ammoniak besprüht werden. Denn auch jetzt noch war das Berühren des Giftes, was sich in Falten der Kleidung abgelagert hatte, lebensgefährlich. Der Tote wurde nun in einen Plastiksack dem Bestatter übergeben, der diesen nicht mehr öffnete, da er sich sonst einer Vergiftung ausgesetzt hätte.

1949 wurde der sehr schmächtige Schwarze Leandress Rily hingerichtet. Als die Exekution beginnen sollte, befreite er sich aus den Fesseln und rannte in der Gaskammer hin und her. Dabei schlug er verzweifelt gegen die dicken Fensterscheiben. Deshalb wurde die Gaskammer wieder geöffnet, und vier Wärter überwältigten Rily und fesselten ihn wieder auf dem Stuhl in der Gaskammer. Dieses vollzog sich noch weitere zwei Mal, ehe man beim vierten Versuch das Gas in die Kammer strömen lassen konnte.

Am 2. Mai 1960 wurde Caryl Chessman in der Gaskammer von San Quentin hingerichtet. Als das Gas aufstieg, klingelte das Telefon. Es war die Nachricht, die Hinrichtung aufzuschieben. Der leitende Beamte entschied sich aber dafür weiterzumachen, weil die Hinrichtung zu weit fortgeschritten war, um sie noch zu stoppen.

Wäre Chessman noch zu retten gewesen, wenn man das Gas sofort abgesaugt hätte?

Hätte der Henker mit einer Gasmaske in die Kammer gehen sollen?

Noch heute wird in den USA mit der Gaskammer hingerichtet.

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